Zwischenmolekulare Kräfte (ZMK)
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01.1 Methan
Was du auf dieser Seite lernst
Methan (CH₄) ist das einfachste Alkan und gleichzeitig der Einstieg in die Organische Chemie. Du lernst, wie man über die qualitative Elementaranalyse auf die Summenformel schließt, wie die Strukturformel und der Bindungswinkel aussehen, und warum die Verbrennung von Methan eine Redoxreaktion ist.
Grundlagen aus der 9. Klasse
Lewis-Formeln, Atombindung und Oxidationszahlen hast du in der 9. Klasse kennengelernt: → Lewis-Formeln (Kl. 9) · → Oxidationszahlen (Kl. 9)
1.1.1 Vorkommen
Methan kommt vor in: Erdgas, Sumpfgas, Biogas, Grubengas.
1.1.2 Eigenschaften
- farb- und geruchloses Gas
- geringere Dichte als Luft
- brennbar
1.1.3 Ermittlung der Summenformel (Molekülformel) und Strukturformel
a) Qualitative Analyse (Elementaranalyse)
Hierfür wird der zu untersuchende Stoff verbrannt und die Verbrennungsprodukte bestimmt.
Bildet sich Wasser, ist Wasserstoff als Element vorhanden.
Kohlenstoff lässt sich als Ruß (unvollständige Verbrennung) oder als Kohlenstoffdioxid nachweisen. Der CO₂-Nachweis erfolgt mit der Kalkwasserprobe: Das entstandene Gas wird in Kalkwasser eingeleitet – eine Trübung zeigt CO₂ an.↑ Zum Vergrößern klicken
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- Nachweis von Wasserstoff → Bildung von Wasser → WaTesMo-Papier oder wasserfreies Kupfersulfat.
- Nachweis von C → Bildung von CO2 → Nachweis als CaCO3:
Ca(OH)2 (aq) + CO2 (g) → CaCO3 (s) + H2O (l)
Die Verbrennungsprodukte (Wasser, Kohlenstoffdioxid) zeigen, dass Methan Kohlenstoff, Wasserstoff und eventuell Sauerstoff enthält.
b) Bestimmung der molaren Masse
Mit der Gaswägung lässt sich die molare Masse von Methan bestimmen: M(Methan) = 16 g/mol · Molekülmasse 16 u.c) Summenformel: CH4
d) Strukturformel
Man zeichnet Methan meist mit einem Winkel von 90°. Dieser Winkel entspricht nicht dem tatsächlichen Bindungswinkel (vgl. unten). Man kann sich aber vorstellen, dass man direkt auf das Molekül blickt.↑ Zum Vergrößern klicken
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Tetraedrische Anordnung der Wasserstoffatome um das Kohlenstoffatom (Bindungswinkel 109,5°). Erklärung: größtmögliche Entfernung der Wasserstoffatome.
1.1.4 Vollständige Verbrennung
0 −IV +I +IV −II +I −II
2 O2 + CH4 → CO2 + 2 H2O ΔH = −888 kJ/mol↑ Zum Vergrößern klicken
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Hinweis: Wenn die Ermittlung der Oxidationszahlen Schwierigkeiten macht, kann man es hier nochmals nachlesen.
1 l Methan benötigt zur vollständigen Verbrennung 10 Liter Luft (2 l Sauerstoff).
Auf einen Blick – Methan
Summenformel
Methan: CH₄ · molare Masse 16 g/mol · einfachstes Alkan · allg. Formel der Alkane: CₙH₂ₙ₊₂ (hier n = 1).
Tetraeder
Die vier H-Atome ordnen sich tetraedrisch um das C-Atom an. Bindungswinkel: 109,5° (größtmögliche Abstoßung der Bindungselektronenpaare).
Elementaranalyse
Verbrennung → H₂O (Wassernachweis: WaTesMo) + CO₂ (Kalkwasserprobe: Trübung durch CaCO₃) → Methan enthält C und H.
Verbrennung
CH₄ + 2 O₂ → CO₂ + 2 H₂O · ΔH = −888 kJ/mol (exotherm). C wird von −IV auf +IV oxidiert; O von 0 auf −II reduziert.
Häufige Fragen – Methan
Wie weist man experimentell nach, dass Methan Kohlenstoff und Wasserstoff enthält?
Methan wird vollständig verbrannt. Die entstehenden Gase und Dämpfe werden durch zwei Nachweisreagenzien geleitet: Wassernachweis mit wasserfreiem Kupfersulfat (wird blau) oder WaTesMo-Papier (Blaufärbung zeigt Wasser an) → Methan enthält Wasserstoff. CO₂-Nachweis mit Kalkwasser Ca(OH)₂: Trübung durch CaCO₃-Bildung → Methan enthält Kohlenstoff.
Warum ist der Bindungswinkel in Methan 109,5° und nicht 90°?
Die vier bindenden Elektronenpaare stoßen sich gemäß dem VSEPR-Modell (Valence Shell Electron Pair Repulsion) so weit wie möglich ab. Maximale Abstoßung ergibt eine tetraedrische Anordnung mit einem Bindungswinkel von 109,5°. In der vereinfachten Strukturformel zeichnet man 90°-Winkel, weil man so tut, als würde man von oben auf das Molekül blicken.
Warum ist die Verbrennung von Methan eine Redoxreaktion?
Bei der Verbrennung ändert sich die Oxidationszahl des Kohlenstoffs von −IV (in CH₄) auf +IV (in CO₂) → Oxidation. Der Sauerstoff wird von 0 (O₂) auf −II (in CO₂ und H₂O) reduziert → Reduktion. Es findet also ein Elektronenübergang statt: Methan ist das Reduktionsmittel, Sauerstoff das Oxidationsmittel. → Oxidationszahlen (Kl. 9)
Was bedeutet ΔH = −888 kJ/mol bei der Verbrennung?
Das negative Vorzeichen zeigt, dass Energie abgegeben wird – die Reaktion ist exotherm. Pro Mol verbranntem Methan (= 16 g) werden 888 kJ Wärmeenergie freigesetzt. Das erklärt, warum Methan (Erdgas) als Energieträger zum Heizen und Kochen eingesetzt wird. Mehr zur Reaktionsenthalpie: → Enthalpie (Kursstufe)
Wo kommt Methan natürlich vor und warum ist es klimarelevant?
Methan kommt natürlich in Erdgas (Hauptbestandteil), Sumpfgas (Zersetzung organischer Stoffe unter Wasser), Biogas (Gärung) und Grubengas (Steinkohlebergbau) vor. Als Treibhausgas ist CH₄ etwa 25-mal klimawirksamer als CO₂ (bezogen auf 100 Jahre), weil es Infrarotstrahlung besonders effektiv absorbiert.
Lernkarten – Methan
Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen.
1Gib Summenformel, molare Masse und Bindungswinkel von Methan an.
Summenformel: CH₄
Molare Masse: 16 g/mol
Bindungswinkel: 109,5° (Tetraeder)
Struktur: 4 H-Atome tetraedrisch um C2Wie weist man bei der Elementaranalyse Kohlenstoff und Wasserstoff nach?
H-Nachweis:
WaTesMo-Papier oder CuSO₄ (wasserfrei) → Blaufärbung = H₂O vorhanden
C-Nachweis:
Kalkwasser Ca(OH)₂ → Trübung = CO₂ vorhanden3Stelle die vollständige Verbrennungsgleichung von Methan auf.
CH₄ + 2 O₂ → CO₂ + 2 H₂O
ΔH = −888 kJ/mol (exotherm)
Kontrolle: C: 1=1 ✓ · H: 4=4 ✓ · O: 4=4 ✓4Welche Oxidationszahlen hat Kohlenstoff in CH₄ und in CO₂? Was folgt daraus?
CH₄: C hat Oxidationszahl −IV
CO₂: C hat Oxidationszahl +IV
→ Oxidationszahl steigt → C wird oxidiert
→ Methan = Reduktionsmittel5Wieviel Liter Luft benötigt 1 l Methan zur vollständigen Verbrennung, und warum?
10 Liter Luft (≈ 2 l O₂, da Luft ≈ 21 % O₂)
CH₄ + 2 O₂ → … · Stöchiometrie: 1 Vol. CH₄ : 2 Vol. O₂
Luft enthält ~20 % O₂ → 2 l O₂ stecken in 10 l LuftWeiter im Kapitel Alkane
← 1 Alkane – Übersicht → 1.4 Butan → 1.5 Homologe Reihe
🔁 Grundlagen (Kl. 9): Lewis-Formeln · Oxidationszahlen
📚 Vertiefung Kursstufe: Enthalpie ΔH -
01.4 Butan
Was du auf dieser Seite lernst
Butan (C₄H₁₀) ist das erste Alkan, das in zwei verschiedenen Strukturen vorkommt. Du lernst den zentralen Begriff der Konstitutionsisomerie kennen, verstehst warum n-Butan und Isobutan verschiedene Siedepunkte haben, und übst die Halbstrukturformel als platzsparende Schreibweise.
Grundlagen aus 1.1 Methan
Summenformel, Strukturformel und Lewis-Formel hast du am Beispiel Methan kennengelernt: → 1.1 Methan · → Lewis-Formeln (Kl. 9)
Hinweis: 1.2 Ethan und 1.3 Propan werden nur bei ausreichend Zeit besprochen. Da sie ähnlich aufgebaut sind, wird auf einen eigenen Heftaufschrieb verzichtet (vgl. 1.5 Homologe Reihe).
1.4.1 Vorkommen
Im Erdgas; fällt an bei der Benzingewinnung.
1.4.2 Eigenschaften
Farbloses Gas · größere Dichte als Luft · brennbar (Verbrennungsprodukte bei vollständiger Verbrennung: CO2 und H2O) · unter Druck leicht verflüssigbar.
1.4.3 Ermittlung der Summenformel und Strukturformel
a) Qualitative Analyse (Elementaranalyse)
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Die Verbrennungsprodukte (Wasser, Kohlenstoffdioxid) zeigen, dass Butan Kohlenstoff, Wasserstoff und eventuell Sauerstoff enthält.
b) Bau und Formeln
1. Molare Masse = 58,12 g/mol · Molekülmasse = 58,12 u
2. Summenformel: C4H103. Strukturformel – zwei Möglichkeiten:
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ZMK: nur Van-der-Waals-Kräfte. Bei n-Butan können sich die Moleküle dichter zusammenlagern → stärkere ZMK → etwas höhere Siedetemperatur als Isobutan.
Räumliche Strukturen im Kugelstabmodell (versuche, die Abbildungen n-Butan oder Isobutan zuzuordnen):
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Renderbild n-Butan als Kugelstabmodell:
Kalottenmodell von 2-Methylpropan (= Isobutan) – bei Kalottenmodellen wird die Raumfüllung der Atome sichtbar:
Da Strukturformeln bei größeren Molekülen zu aufwendig sind, nutzt man die Halbstrukturformel: Die Wasserstoffatome werden als Summe direkt hinter das jeweilige C-Atom geschrieben. Man ermittelt zunächst, wie viele Bindungen ein C-Atom bereits hat, und ergänzt H-Atome bis zur Vierbindigkeit. Hier am Beispiel Isobutan:
↑ Zum Vergrößern klicken
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1.4.4 Verwendung
Heizgas („blaue Gaskartuschen") · Kältemittel (Ersatz für FCKW) · Treibgas in Sprays · Feuerzeuggas (häufig zusammen mit Propan).
1.4.5 Isomerie
(isos (griech.) = gleich; meros (griech.) = Teil)
Definition – Konstitutionsisomerie
Verbindungen, deren Moleküle bei gleicher Summenformel unterschiedliche Strukturformeln besitzen, bezeichnet man als Isomere. Isomere unterscheiden sich vor allem in ihren physikalischen Eigenschaften (Schmelz- und Siedepunkt) und wenig in ihren chemischen Reaktionen.
1.4.6 Vollständige Verbrennung (Oxidation)
Wenn Butan vollständig verbrannt wird, entstehen ausschließlich Kohlenstoffdioxid und Wasser:
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Auf einen Blick – Butan
Summenformel
C4H10 · molare Masse 58,12 g/mol · stimmt mit der allg. Formel CₙH₂ₙ₊₂ überein (n = 4 → 4·2+2 = 10 H).
Konstitutionsisomerie
n-Butan (Sdp. −0,5 °C) und Isobutan = 2-Methylpropan (Sdp. −12 °C) haben die gleiche Summenformel C₄H₁₀, aber verschiedene Strukturformeln.
ZMK und Siedepunkt
Nur Van-der-Waals-Kräfte. n-Butan lagert sich dichter zusammen → stärkere ZMK → höherer Siedepunkt als das verzweigte Isobutan.
Halbstrukturformel
H-Atome als Summe hinter das C schreiben. n-Butan: CH₃–CH₂–CH₂–CH₃ · Isobutan: CH₃–CH(CH₃)–CH₃ · Vierbindigkeit von C muss stets erfüllt sein.
Häufige Fragen – Butan
Was versteht man unter Konstitutionsisomerie?
Konstitutionsisomere sind Verbindungen mit gleicher Summenformel, aber unterschiedlicher Verknüpfung der Atome. Bei C₄H₁₀ gibt es zwei Isomere: n-Butan (unverzweigte Kette) und 2-Methylpropan (Isobutan) (verzweigte Kette). Sie unterscheiden sich in physikalischen Eigenschaften wie dem Siedepunkt, kaum aber in chemischen Reaktionen. Mit steigender C-Zahl nimmt die Zahl möglicher Isomere stark zu (C₅: 3, C₁₀: 75).
Warum hat n-Butan einen höheren Siedepunkt als Isobutan?
Beide Isomere sind unpolar und besitzen nur Van-der-Waals-Kräfte als Wechselwirkung zwischen den Molekülen. Die gestreckte Kette von n-Butan ermöglicht eine größere Kontaktfläche zwischen benachbarten Molekülen als die kompaktere, kugelförmigere Gestalt von Isobutan. Größere Kontaktfläche → stärkere Van-der-Waals-Kräfte → höherer Siedepunkt (n-Butan: −0,5 °C; Isobutan: −12 °C).
Was ist der Unterschied zwischen Strukturformel, Halbstrukturformel und Summenformel?
Die Summenformel gibt nur die Anzahl der Atome an (C₄H₁₀), nicht deren Anordnung. Die Strukturformel zeigt alle Bindungsstriche explizit – anschaulich, aber bei großen Molekülen aufwendig. Die Halbstrukturformel ist ein Kompromiss: Das C-Gerüst wird ausgeschrieben, H-Atome werden als Anzahl hinter das jeweilige C-Atom gesetzt. Isobutan: CH₃–CH(CH₃)–CH₃ · n-Butan: CH₃–CH₂–CH₂–CH₃.
Wofür wird Butan im Alltag verwendet?
Butan wird wegen seiner leichten Verflüssigbarkeit unter Druck vielfältig eingesetzt: als Heizgas in Gaskartuschen beim Camping, als Kältemittel (FCKW-Ersatz in Kühlschränken), als Treibgas in Sprühdosen und als Feuerzeuggas (oft zusammen mit Propan).
Wie lautet die ausgeglichene Verbrennungsgleichung für n-Butan?
Vollständige Verbrennung:
2 C₄H₁₀ + 13 O₂ → 8 CO₂ + 10 H₂O
Kontrolle: C: 8 = 8 ✓ · H: 20 = 20 ✓ · O: 26 = 26 ✓
Die Reaktion ist stark exotherm – deshalb wird Butan als Brennstoff genutzt.Lernkarten – Butan
Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen.
1Gib Summenformel und molare Masse von Butan an. Prüfe die allg. Alkan-Formel.
Summenformel: C₄H₁₀
Molare Masse: 58,12 g/mol
Formel CₙH₂ₙ₊₂ mit n=4: 2·4+2 = 10 H ✓2Was sind Konstitutionsisomere? Nenne die beiden C₄H₁₀-Isomere mit Siedepunkten.
Gleiche Summenformel, verschiedene Struktur:
n-Butan: unverzweigt · Sdp. −0,5 °C
2-Methylpropan (Isobutan): verzweigt · Sdp. −12 °C3Schreibe n-Butan und Isobutan als Halbstrukturformel.
n-Butan:
CH₃–CH₂–CH₂–CH₃
Isobutan (2-Methylpropan):
CH₃–CH(CH₃)–CH₃4Warum hat n-Butan einen höheren Siedepunkt als Isobutan, obwohl beide C₄H₁₀ sind?
Nur Van-der-Waals-Kräfte vorhanden.
n-Butan: gestreckte Kette → größere Kontaktfläche
→ stärkere VdW-Kräfte → höherer Siedepunkt
Isobutan: kompaktere Form → weniger Kontakt5Stelle die ausgeglichene Verbrennungsgleichung für n-Butan auf.
2 C₄H₁₀ + 13 O₂ → 8 CO₂ + 10 H₂O
Kontrolle:
C: 2·4 = 8 | 8·1 = 8 ✓
H: 2·10 = 20 | 10·2 = 20 ✓
O: 13·2 = 26 | 8·2+10 = 26 ✓Weiter im Kapitel Alkane
← 1.1 Methan → 1.5 Homologe Reihe → 1.6 Nomenklatur
🔁 Grundlagen: 1.1 Methan · Lewis-Formeln (Kl. 9)
📚 Vertiefung: Isomerie bei Alkenen · Isomerie (Kursstufe) -
01.5 Homologe Reihe der Alkane
Was du auf dieser Seite lernst
Die homologe Reihe der Alkane ordnet alle gesättigten Kohlenwasserstoffe nach ihrer Kettenlänge. Du lernst die allgemeine Formel CₙH₂ₙ₊₂, siehst wie sich Strukturformel, Halbstrukturformel und Aggregatzustand systematisch ändern – und verstehst, warum der Siedepunkt mit steigender Kettenlänge zunimmt.
Grundlagen aus 1.1 und 1.4
Strukturformeln, Halbstrukturformeln und Konstitutionsisomerie hast du bereits an Methan und Butan kennengelernt: → 1.1 Methan · → 1.4 Butan & Isomerie
(homo = gleich, logos = Stoff)
Allgemeine Summenformel der homologen Reihe:
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Definition – Homologe Reihe
Eine Reihe organischer Verbindungen, deren aufeinanderfolgende Glieder sich jeweils um eine bestimmte Atomgruppe – z. B. eine –CH₂– Gruppe – unterscheiden, nennt man homologe Reihe. Für Alkane gilt die allgemeine Summenformel CnH2n+2.
Wichtigste Eigenschaften aller Alkane:
- Brennbar (bei vollständiger Verbrennung entstehen CO2 und H2O)
- Dichte < 1 g/cm³ (leichter als Wasser)
- In Wasser unlöslich (nur Spuren); untereinander in jedem Verhältnis mischbar
Die homologe Reihe der Alkane (Übersicht)
Name Summenformel Strukturformel Halbstrukturformel Aggregatzustand Methan CH4 
CH4 gasförmig Ethan C2H6 
CH3–CH3 gasförmig Propan C3H8 
CH3–CH2–CH3 gasförmig n-Butan C4H10 
CH3–CH2–CH2–CH3 gasförmig n-Pentan C5H12 
CH3–(CH2)3–CH3 flüssig n-Hexan C6H14 
CH3–(CH2)4–CH3 flüssig n-Heptan C7H16 
CH3–(CH2)5–CH3 flüssig n-Octan C8H18 
CH3–(CH2)6–CH3 flüssig n-Nonan C9H20 
CH3–(CH2)7–CH3 flüssig n-Decan C10H22 
CH3–(CH2)8–CH3 flüssig n-Undecan C11H24 
CH3–(CH2)9–CH3 flüssig n-Dodecan C12H26 
CH3–(CH2)10–CH3 flüssig … (C₁₃ bis C₁₆ flüssig) n-Heptadecan C17H36 
CH3–(CH2)15–CH3 fest
Auf einen Blick – Homologe Reihe der Alkane
Allgemeine Formel
CₙH₂ₙ₊₂ – jedes folgende Glied enthält eine –CH₂–-Gruppe mehr als das vorherige. Das verbindet alle Alkane zur homologen Reihe.
Aggregatzustände
C₁–C₄: gasförmig · C₅–C₁₆: flüssig · ab C₁₇: fest. Der Siedepunkt steigt mit wachsender Kettenlänge gleichmäßig an.
ZMK und Siedepunkt
Zwischen Alkanen wirken nur Van-der-Waals-Kräfte. Längere Kette = größere Moleküloberfläche = stärkere VdW-Kräfte = höherer Siedepunkt.
Eigenschaften
Alle Alkane sind brennbar, unpolar, in Wasser unlöslich und besitzen eine Dichte < 1 g/cm³. Chemisch reagieren sie wegen starker Einfachbindungen kaum.
Häufige Fragen – Homologe Reihe der Alkane
Was ist eine homologe Reihe und was verbindet die Glieder?
Eine homologe Reihe ist eine Gruppe organischer Verbindungen, deren aufeinanderfolgende Glieder sich jeweils um eine –CH₂–-Gruppe unterscheiden. Alle Glieder haben die gleiche allgemeine Summenformel (CₙH₂ₙ₊₂ für Alkane), ähnliche chemische Eigenschaften und kontinuierlich variierende physikalische Eigenschaften (Siedepunkt, Dichte etc.).
Warum wechselt der Aggregatzustand von gasförmig über flüssig zu fest?
Mit steigender Kettenlänge wächst die Moleküloberfläche. Über diese Fläche wirken Van-der-Waals-Kräfte – je größer die Fläche, desto stärker die Anziehung zwischen den Molekülen. Ab einer bestimmten Kettenlänge reicht die Wärmeenergie bei Raumtemperatur nicht mehr aus, die Moleküle voneinander zu trennen: C₁–C₄ gasförmig · C₅–C₁₆ flüssig · ab C₁₇ fest. → Eigenschaften der Alkane
Wie leitet man die Halbstrukturformel eines Alkans aus der Summenformel ab?
Man schreibt das Kohlenstoffgerüst in einer Kette und ergänzt H-Atome so, dass jedes C-Atom vierwertig ist: Die beiden Endgruppen sind immer CH₃–, jede mittlere Gruppe ist –CH₂–. Beispiel n-Hexan (C₆H₁₄): CH₃–(CH₂)₄–CH₃. Die Klammernotation (CH₂)ₙ spart Schreibarbeit bei langen Ketten.
Warum sind Alkane in Wasser unlöslich?
Alkane sind unpolare Moleküle – es gibt keine Partialladungen und keine Wasserstoffbrückenbindungen. Wasser dagegen ist polar und bildet starke Wasserstoffbrücken zwischen seinen Molekülen. Ein unpolares Alkan könnte diese Netzstruktur nicht ersetzen, daher ist das Einbringen energetisch ungünstig – „similia similibus solvuntur" (Gleiches löst Gleiches). In anderen unpolaren Lösungsmitteln (Benzin, Ether) lösen sich Alkane dagegen gut.
Wie berechnet man die Summenformel eines Alkans für beliebiges n?
Mit der allgemeinen Formel CₙH₂ₙ₊₂: Einfach n einsetzen.
Beispiel n = 8 (Octan): C₈H₂·₈₊₂ = C₈H₁₈ ✓
Umgekehrt: Aus der Summenformel C₁₂H₂₆ folgt 2n+2 = 26 → n = 12 → Dodecan.
Kontrolle: Molare Masse = 12·12 + 26·1 = 170 g/mol.Lernkarten – Homologe Reihe der Alkane
Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen.
1Was ist die allgemeine Summenformel der Alkane? Worum unterscheiden sich je zwei aufeinanderfolgende Glieder?
Allg. Formel: CₙH₂ₙ₊₂
Aufeinanderfolgende Glieder unterscheiden sich um eine –CH₂–-Gruppe.
→ Deshalb heißen sie homologe Reihe.2Ab welcher Kettenlänge sind Alkane bei Raumtemperatur flüssig? Ab wann fest?
C₁–C₄: gasförmig
C₅–C₁₆: flüssig
ab C₁₇: fest
Ursache: stärkere Van-der-Waals-Kräfte mit wachsender Kettenlänge3Gib Name, Summenformel und Halbstrukturformel für das Alkan mit n = 5 an.
n = 5 → n-Pentan
Summenformel: C₅H₁₂
(2·5+2 = 12 H ✓)
Halbstrukturformel:
CH₃–CH₂–CH₂–CH₂–CH₃
oder CH₃–(CH₂)₃–CH₃4Warum steigt der Siedepunkt in der homologen Reihe der Alkane mit zunehmender Kettenlänge?
Längere Kette → größere Moleküloberfläche
→ stärkere Van-der-Waals-Kräfte
→ mehr Energie nötig zur Trennung der Moleküle
→ höherer Siedepunkt5Ein Alkan hat die Summenformel C₁₀H₂₂. Wie heißt es? Wie lautet die Halbstrukturformel? Welchen Aggregatzustand hat es bei Raumtemperatur?
C₁₀H₂₂ → n = 10 → n-Decan
Halbstrukturformel:
CH₃–(CH₂)₈–CH₃
Aggregatzustand: flüssig
(C₅–C₁₆ sind bei RT flüssig)Weiter im Kapitel Alkane
← 1.4 Butan → 1.6 Genfer Nomenklatur → 1.7 Eigenschaften
🔁 Grundlagen: 1.1 Methan · 1.4 Butan & Isomerie
📚 Vertiefung: 2.1 Ethen – Homologe Reihe der Alkene · Siedepunkte und ZMK (Carbonsäuren) -
01.7 Struktur und Eigenschaften der Alkane
Was du auf dieser Seite lernst
Die Struktur der Alkane bestimmt ihre Eigenschaften. Du lernst, warum Alkane reaktionsträge sind, welche zwischenmolekularen Kräfte (ZMK) zwischen ihren Molekülen wirken und was das für Siedepunkt, Schmelzpunkt und Löslichkeit bedeutet.
Grundlagen aus der 9. Klasse
Polare und unpolare Bindungen sowie zwischenmolekulare Kräfte (ZMK) hast du bereits in der 9. Klasse kennengelernt:
→ Polare und unpolare Atombindung (Kl. 9) · → Elektrische Dipole (Kl. 9)1.7 Struktur und Eigenschaften der Alkane
1.7.1 Bindungsverhältnisse
a) Bindungsverhältnisse im Molekül lassen bestimmte chemische Verhaltensweisen voraussagen:
- sehr starke Einfachbindung
→ reaktionsträge - fast unpolare Atombindung
→ normalerweise keine Reaktion als Säure (auch keine Eigenprotolyse), da kein Proton abgespalten wird.
→ bei starkem Erhitzen bzw. starkem Angriff kommt es zur symmetrischen (radikalischen, homolytischen) Spaltung der Bindung.
- keine freien Elektronenpaare
→ kann nicht als Base reagieren (kann kein Proton aufnehmen) - keine Elektronenpaarlücke
→ kann nicht als elektrophiles Teilchen reagieren b) Bindungen bzw. Kräfte zwischen den Molekülen (ZMKs) sind verantwortlich für die physikalischen Eigenschaften (Siedetemperatur, Schmelztemperatur, Löslichkeit etc.):
- nur van-der-Waals-Kräfte
- keine Wasserstoffbrücken
- keine Dipol-Dipol-Wechselwirkungen
- Siedepunkt ist niedrig (steigt mit der Molekülgröße)
- Schmelzpunkt ist niedrig (steigt mit der Molekülgröße)
- Löslichkeit: schlecht in Stoffen, in denen starke Wasserstoffbrücken vorliegen
- Löslichkeit: schlecht in polaren Stoffen
- Alkane lösen keine Salze, da sie keine Solvationshüllen ausbilden
Alkane sind typisch unpolare Stoffe (hydrophob, wassermeidend).
Auf einen Blick – die wichtigsten Aussagen
REAKTIONSTRÄGHEIT
Starke, fast unpolare C–C- und C–H-Bindungen machen Alkane reaktionsträge – weder Säure noch Base noch Nucleophil noch Elektrophil.
ZMK
Zwischen Alkanmolekülen wirken nur van-der-Waals-Kräfte – keine Wasserstoffbrücken, keine Dipol-Wechselwirkungen.
SIEDEPUNKT
Mehr C-Atome → größere Moleküloberfläche → stärkere vdW-Kräfte → höherer Siedepunkt. Stärkere Verzweigung senkt den Siedepunkt.
HYDROPHOB
Alkane sind unpolar und wassermeidend (hydrophob). Sie lösen sich nicht in Wasser und lösen keine Salze.
Häufige Fragen – Eigenschaften der Alkane
Warum sind Alkane so reaktionsträge?
Die C–C- und C–H-Bindungen in Alkanen sind sehr stark und fast unpolar (Elektronegativitätsunterschied sehr gering). Dadurch bieten Alkane weder freie Elektronenpaare (kein Angriffspunkt für Elektrophile) noch eine Elektronenpaarlücke (kein Angriffspunkt für Nucleophile). Auch eine Protonenabgabe findet praktisch nicht statt. Nur unter extremen Bedingungen – sehr hohe Temperaturen oder UV-Licht – kommt es zur homolytischen Bindungsspaltung und damit zu einer radikalischen Reaktion.
Warum steigt der Siedepunkt der Alkane mit der Kettenlänge?
Mit jedem zusätzlichen C-Atom wächst die Moleküloberfläche. Größere Oberfläche bedeutet mehr Kontaktfläche zwischen den Molekülen und damit stärkere van-der-Waals-Kräfte. Um ein Molekül aus dem flüssigen Zustand zu befreien, muss mehr Energie aufgewendet werden → der Siedepunkt steigt. Methan (C1) siedet bei –162 °C, Hexan (C6) bereits bei +69 °C.
Warum lösen sich Alkane nicht in Wasser?
Wasser ist ein stark polares Lösungsmittel, das ausgeprägte Wasserstoffbrücken zwischen seinen Molekülen ausbildet. Alkane sind unpolar und können keine entsprechenden Wechselwirkungen mit Wasser eingehen. Nach dem Prinzip „Gleiches löst Gleiches" (lat. similia similibus solvantur) bleiben Alkane in Wasser ungelöst und bilden eine separate Phase (z. B. Öl auf Wasser). Salze lösen Alkane ebenfalls nicht auf, da Alkane keine Solvationshüllen um Ionen ausbilden können.
Warum haben verzweigte Alkane niedrigere Siedepunkte als unverzweigte?
Je stärker ein Alkan verzweigt ist, desto kompakter (kugelförmiger) ist das Molekül. Die Oberfläche, über die van-der-Waals-Kräfte wirken können, wird kleiner → die Anziehungskräfte zwischen den Molekülen sind schwächer → der Siedepunkt sinkt. Beispiel: n-Pentan (unverzweigt) siedet bei 36 °C, 2,2-Dimethylpropan (stark verzweigt) bereits bei 9 °C – obwohl beide die gleiche Summenformel C5H12 haben. Mehr dazu unter: → Isomere von C₇H₁₆.
Was ist die homolytische (radikalische) Spaltung einer Bindung?
Bei der homolytischen Spaltung teilen sich beide Bindungspartner die gemeinsamen Elektronen gleichmäßig auf – jedes Atom erhält ein Elektron. Es entstehen Radikale (Teilchen mit einem ungepaarten Elektron), die sehr reaktiv sind. Dies geschieht bei Alkanen nur unter extremen Bedingungen wie hohen Temperaturen oder UV-Strahlung. Es ist die Grundlage der radikalischen Substitution. Im Gegensatz dazu werden bei der heterolytischen Spaltung beide Elektronen von einem Partner behalten.
Lernkarten – Eigenschaften der Alkane
Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen.
1Warum sind Alkane reaktionsträge? Nenne zwei Gründe.
1. C–C- und C–H-Bindungen sind sehr stark.
2. Die Bindungen sind fast unpolar → kein Angriffspunkt für Nucleophile oder Elektrophile.2Welche ZMK wirken zwischen Alkanmolekülen?
Ausschließlich van-der-Waals-Kräfte. Keine Wasserstoffbrücken, keine Dipol-Dipol-Wechselwirkungen (Alkane sind unpolar).
3Warum steigt der Siedepunkt der Alkane mit der Kettenlänge?
Mehr C-Atome → größere Oberfläche → stärkere van-der-Waals-Kräfte → mehr Energie nötig zum Verdampfen → höherer Siedepunkt.
4Was bedeutet „hydrophob"? Warum sind Alkane hydrophob?
Hydrophob = wassermeidend. Alkane sind unpolar → können keine Wechselwirkungen mit polarem Wasser eingehen → lösen sich nicht in Wasser.
5n-Pentan oder 2,2-Dimethylpropan – welches hat den höheren Siedepunkt? Begründe.
n-Pentan (Sdp. 36 °C) > 2,2-Dimethylpropan (Sdp. 9 °C). n-Pentan ist gestreckter → größere Oberfläche → stärkere vdW-Kräfte – obwohl beide C5H12 sind.
Weiter im Kapitel Alkane
← 1.6 Übungen zur Nomenklatur → 1.8 Angriffsfreudige Teilchen
🔁 Grundlagen: Polare und unpolare Atombindung (Kl. 9) · Elektrische Dipole (Kl. 9)
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02 Alkene
Was du in diesem Kapitel lernst
Alkene sind Kohlenwasserstoffe mit mindestens einer C=C-Doppelbindung – der charakteristischen funktionellen Gruppe dieser Verbindungsklasse. Am Beispiel des Ethens (C2H4) lernst du Aufbau, Eigenschaften und typische Reaktionen der Alkene kennen: von der Bromwasserprobe über die cis-trans-Isomerie bis zur katalytischen Hydrierung.
Grundlagen aus der 10. Klasse
Alkene bauen direkt auf dem Wissen über die gesättigten Kohlenwasserstoffe auf – wiederhole bei Bedarf: → 1. Alkane – Homologe Reihe, Genfer Nomenklatur, radikalische Substitution
Kapitelübersicht – 2. Alkene
Klicke auf eine Kachel, um direkt zum Unterkapitel zu springen.
H₂C=CH₂2.1
Ethen
Eigenschaften · Summenformel · Strukturformel · Vorkommen & Verwendung
Br₂2.1.5
Nachweis von Alkenen
Bromwasserprobe · Elektrophile Addition · Reaktionsgleichung
cis
trans2.1.6 / 2.1.7
Isomerien von Alkenen
Konstitutions-Isomerie · cis-trans-Isomerie · (E/Z)-Nomenklatur
But-2-en2.2
Nomenklatur der Alkene
IUPAC-Benennung · Lokanten · Übungsaufgaben
+H₂/Ni2.3
Katalytische Hydrierung
Hydrierung ⇔ Eliminierung · Gleichgewicht · Katalysator Ni / Pt
sp²
sp³2.4
Vergleich Ethen – Ethan
Reaktivität · sp²- vs. sp³-Hybridisierung · π-Elektronensystem
Auf einen Blick – die wichtigsten Aussagen
Funktionelle Gruppe
Alkene sind ungesättigte Kohlenwasserstoffe. Ihre charakteristische funktionelle Gruppe ist die C=C-Doppelbindung (σ- + π-Bindung). Allgemeine Formel: CnH2n.
Nachweis
Die Bromwasserprobe weist C=C-Doppelbindungen nach: Braunes Bromwasser wird durch Additionsreaktion entfärbt – eindeutiger Nachweis auf Mehrfachbindungen.
cis-trans-Isomerie
Die Doppelbindung blockiert die freie Rotation um die C=C-Achse. Dadurch entstehen räumlich verschiedene cis- und trans-Isomere mit unterschiedlichen Eigenschaften.
Reaktionstyp
Typisch für Alkene ist die elektrophile Addition: Die Doppelbindung wird geöffnet, Atome oder Gruppen lagern sich an (z. B. H2, Br2, HBr).
Häufige Fragen – Alkene
Was sind Alkene und wie unterscheiden sie sich von Alkanen?
Alkene sind Kohlenwasserstoffe mit mindestens einer C=C-Doppelbindung. Im Gegensatz zu den gesättigten Alkanen (nur Einfachbindungen) sind Alkene ungesättigt: Die Doppelbindung besteht aus einer σ-Bindung und einer π-Bindung. Die allgemeine Summenformel lautet CnH2n. Das einfachste Alken ist Ethen (C2H4). Alkene sind durch ihre Doppelbindung reaktiver als Alkane; ihr typischer Reaktionstyp ist die elektrophile Addition, nicht die radikalische Substitution der Alkane.
Wie weist man eine C=C-Doppelbindung nach?
Den klassischen Nachweis liefert die Bromwasserprobe: Braunes Bromwasser (Br2 in Wasser) wird durch Additionsreaktion entfärbt, weil das Brom an die Doppelbindung addiert wird. Gleichung am Beispiel Ethen: C2H4 + Br2 → C2H4Br2 (1,2-Dibromethan). Der Test ist eindeutig für alle Verbindungen mit Mehrfachbindungen. → 2.1.5 Nachweis von Alkenen
Was ist cis-trans-Isomerie, und wann tritt sie auf?
Die C=C-Doppelbindung blockiert die freie Drehbarkeit um die Bindungsachse. Wenn an beiden Doppelbindungskohlenstoffen je zwei verschiedene Substituenten sitzen, entstehen zwei räumlich unterschiedliche Isomere: Im cis-Isomer (= Z-Form: zusammen) stehen die gleichartigen Gruppen auf derselben Seite der Doppelbindung; im trans-Isomer (= E-Form: entgegen) auf gegenüberliegenden Seiten. Beispiel: cis-But-2-en und trans-But-2-en haben dieselbe Summenformel (C4H8), aber verschiedene Siedepunkte. → 2.1.6/2.1.7 Isomerien von Alkenen
Wie werden Alkene nach IUPAC benannt?
Die Nomenklatur der Alkene folgt denselben Grundregeln wie bei den Alkanen, mit Besonderheiten: (1) Die längste Kette, die die Doppelbindung enthält, ist die Hauptkette. (2) Sie wird so nummeriert, dass die Doppelbindung die niedrigstmögliche Lokante erhält. (3) Die Endung lautet „-en" (mehrere Doppelbindungen: -dien, -trien). (4) Die Position der Doppelbindung steht als Lokant vor der Endung: z. B. But-1-en, nicht 1-Buten (moderne IUPAC-Schreibweise). Bei cis-trans-Isomeren wird das Konfigurationspräfix vorangestellt: cis-But-2-en oder (Z)-But-2-en. → 2.2 Nomenklatur der Alkene
Was ist katalytische Hydrierung, und wie verhält sie sich zur Eliminierung?
Katalytische Hydrierung und Eliminierung sind Umkehrreaktionen: Bei der Hydrierung wird H2 mithilfe eines Nickel- oder Platin-Katalysators an die C=C-Doppelbindung addiert → Alken wird zu Alkan (z. B. C2H4 + H2 → C2H6). Bei der Eliminierung wird H2 unter hoher Temperatur abgespalten → Alkan wird zu Alken. Die Gesamtreaktion ist umkehrbar: Ethen ⇔ Ethan. Wichtig: Der Katalysator beeinflusst nur die Reaktionsgeschwindigkeit, verschiebt aber die Gleichgewichtslage nicht. → 2.3 Katalytische Hydrierung
Lernkarten – Alkene
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1Was ist die funktionelle Gruppe der Alkene, und woraus besteht sie?
Die C=C-Doppelbindung. Sie besteht aus einer σ-Bindung (Überlappung entlang der Achse) und einer π-Bindung (seitliche Überlappung). Alkene sind deshalb ungesättigt und reaktiver als Alkane.
2Wie lautet die allgemeine Formel der Alkene? Nenne die ersten vier mit Formel.
CnH2n (n ≥ 2)
Ethen C2H4 · Propen C3H6
Buten C4H8 · Penten C5H103Wie funktioniert der Bromwassertest? Was beobachtet man?
Braunes Bromwasser wird mit dem Alken gemischt. Das Bromwasser entfärbt sich, weil Br2 durch elektrophile Addition an die C=C-Doppelbindung gebunden wird. → Nachweis auf Mehrfachbindung.
4Wann tritt cis-trans-Isomerie auf? Was unterscheidet cis von trans?
Wenn an beiden C-Atomen der C=C-Bindung je zwei verschiedene Substituenten sitzen. cis: gleichartige Gruppen auf einer Seite; trans: auf gegenüberliegenden Seiten. Freie Rotation um die Doppelbindung ist nicht möglich.
5Berechne: Wie viel g H2 werden benötigt, um 28 g Ethen vollständig zu hydrieren?
C2H4 + H2 → C2H6
M(C2H4) = 28 g/mol → n = 1 mol
Stöchiometrie 1:1 → n(H2) = 1 mol
m(H2) = 1 mol · 2 g/mol = 2 g H2
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1 Alkane
Was du auf dieser Seite findest
Das Kapitel Alkane ist das erste Kapitel der Organischen Chemie in Klasse 10 (Baden-Württemberg). Du lernst die einfachsten Kohlenwasserstoffe kennen: von Methan über Butan bis zur homologen Reihe, Nomenklatur, Eigenschaften und schließlich die radikalische Substitution als ersten organischen Reaktionsmechanismus.
Grundlagen aus der 9. Klasse
Atombindung, Lewis-Formeln und das Konzept der Elektronenpaarbindung hast du in der 9. Klasse kennengelernt: → Atombindung (Kl. 9) · → Lewis-Formeln (Kl. 9)
Unterseiten im Überblick
1.1
Methan
Lewis-Formel · Kugelstabmodell · Verbrennung
1.2 · bei ausreichend Zeit
Ethan
Noch kein eigener Artikel online
1.3 · bei ausreichend Zeit
Propan
Noch kein eigener Artikel online
1.4
Butan
Konstitutionsisomerie · Strukturformeln · Verbrennung
1.5
Homologe Reihe der Alkane
CₙH₂ₙ₊₂ · Strukturformeln C₁–C₁₇ · Siedepunkte
1.6
Genfer Nomenklatur
Hauptkette · Substituenten · Lokanten · → Übungen
1.7
Struktur und Eigenschaften
Einfachbindung · Van-der-Waals-Kräfte · unpolar · hydrophob
1.8
Angriffsfreudige Teilchen
Radikale · Elektrophile · Nucleophile
1.9
Reaktion mit Halogenen
Radikalische Substitution · Start / Kette / Abbruch · Halogenalkane
Vollständige Inhaltsübersicht
- 1.1 Methan – Lewis-Formel, Kugelstabmodell, qualitative Elementaranalyse, Verbrennung
- 1.2 Ethan (bei ausreichend Zeit – noch kein Artikel)
- 1.3 Propan (bei ausreichend Zeit – noch kein Artikel)
- 1.4 Butan – Strukturformeln, Konstitutionsisomerie (n-Butan / Isobutan), Verbrennung
- 1.5 Homologe Reihe der Alkane – allgemeine Formel CₙH₂ₙ₊₂, Strukturformeln C₁–C₁₇, Siedepunkttrend
- 1.6 Genfer Nomenklatur der Alkane – Hauptkette, Substituenten, Lokanten | → Übungen zur Nomenklatur
- 1.7 Struktur und Eigenschaften der Alkane – Einfachbindung, Van-der-Waals-Kräfte, unpolar, Siedepunkte
- 1.8 Angriffsfreudige Teilchen – Radikale, Elektrophile, Nucleophile
- 1.9 Reaktion von Alkanen mit Halogenen – Radikalische Substitution: Start-, Ketten- und Abbruchreaktion, Halogenalkane
Auf einen Blick – Alkane
Homologe Reihe
Alkane haben die allgemeine Formel CₙH₂ₙ₊₂. Jedes folgende Glied der homologen Reihe enthält eine CH₂-Gruppe mehr. Siedepunkt und Schmelzpunkt steigen mit der Kettenlänge.
Eigenschaften
Alkane sind unpolar und reagieren wegen der starken Einfachbindung normalerweise nicht. Zwischen den Molekülen wirken nur Van-der-Waals-Kräfte – daher niedrige Siedepunkte und schlechte Wasserlöslichkeit.
Radikalische Substitution
Alkane reagieren mit Halogenen durch radikalische Substitution (UV-Licht): Start (homolytische Spaltung) → Kettenreaktion (Radikal greift CH-Bindung an) → Abbruch (zwei Radikale verbinden sich).
Genfer Nomenklatur
Regeln: 1. Längste Kette bestimmen. 2. Substituenten von der nächstgelegenen Seite nummerieren. 3. Substituenten alphabetisch benennen. Beispiel: 3-Ethyl-2,2-dimethylhexan.
Häufige Fragen – Alkane
Was ist ein Alkan und was bedeutet „gesättigt"?
Alkane sind Kohlenwasserstoffe, die ausschließlich Einfachbindungen zwischen Kohlenstoffatomen besitzen. Die allgemeine Formel lautet CₙH₂ₙ₊₂. „Gesättigt" bedeutet, dass jedes C-Atom die maximale Anzahl an H-Atomen trägt – es gibt keine Doppel- oder Dreifachbindungen, an die weitere Atome addiert werden könnten. Beispiele: Methan CH₄, Ethan C₂H₆, Propan C₃H₈.
Warum steigt der Siedepunkt in der homologen Reihe der Alkane?
Mit zunehmender Kettenlänge steigt die Moleküloberfläche, über die Van-der-Waals-Kräfte wirken. Mehr Kontaktfläche bedeutet stärkere intermolekulare Anziehung – daher muss mehr Energie aufgewendet werden, um die Moleküle voneinander zu trennen, was sich in einem höheren Siedepunkt zeigt. → Homologe Reihe
Was sind die drei Schritte der radikalischen Substitution?
1. Startreaktion: UV-Licht spaltet Cl₂ homolytisch in zwei Chlorradikale (Cl•).
2. Kettenreaktion: Cl• greift CH₄ an → HCl + CH₃•; CH₃• reagiert mit Cl₂ → CH₃Cl + Cl• (Kette läuft weiter).
3. Abbruchreaktion: Zwei beliebige Radikale verbinden sich zu einem stabilen Molekül – die Kette bricht ab.
Das Verhältnis der Produkte (Mono-, Di-, Trichlormethan …) hängt von den Bedingungen ab. → Radikalische SubstitutionWas ist der Unterschied zwischen Elektrophilen, Nucleophilen und Radikalen?
Elektrophile sind elektronenarme Teilchen, die Elektronenpaare suchen (Lewis-Säuren).
Nucleophile sind elektronenreiche Teilchen mit freien Elektronenpaaren (Lewis-Basen).
Radikale sind Teilchen mit einem ungepaarten Elektron; sie entstehen durch homolytische Bindungsspaltung (z. B. durch UV-Licht) und sind besonders reaktiv. → Angriffsfreudige TeilchenWie benennt man verzweigte Alkane nach der Genfer Nomenklatur?
Schrittweise Vorgehensweise:
1. Längste durchgehende Kohlenstoffkette = Hauptkette → gibt den Stammnamen.
2. Nummerierung: von der Seite beginnen, die den ersten Substituenten mit der kleinsten Zahl ergibt.
3. Substituenten: Alkylgruppen mit Lokant und Namen (z. B. 2-Methyl-). Mehrere gleiche: di-, tri-, tetra-. Alphabetische Reihenfolge bei verschiedenen.
Beispiel: 3-Ethyl-2,2-dimethylhexan. → Genfer NomenklaturLernkarten – Alkane
Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen.
1Was ist die allgemeine Summenformel der Alkane? Gib drei Beispiele an.
Allg. Formel: CₙH₂ₙ₊₂
Methan: CH₄ (n = 1)
Ethan: C₂H₆ (n = 2)
Propan: C₃H₈ (n = 3)
→ Gesättigte Kohlenwasserstoffe2Was sind Van-der-Waals-Kräfte und welche Auswirkung haben sie auf Alkane?
Schwache Dispersionskräfte zwischen unpolaren Molekülen.
→ Alkane: niedrige Siedepunkte
→ Schlecht löslich in Wasser
→ Siedepunkt steigt mit Kettenlänge (mehr Kontaktfläche)3Was versteht man unter Konstitutionsisomerie? Erkläre am Beispiel Butan.
Gleiche Summenformel, verschiedene Verknüpfung der Atome.
C₄H₁₀: n-Butan (gerade Kette)
und 2-Methylpropan / Isobutan (verzweigt)
→ unterschiedliche Siedepunkte!4Was entsteht bei der vollständigen Verbrennung von Alkanen?
Vollständige Verbrennung (Oxidation):
Alkan + O₂ → CO₂ + H₂O
Beispiel Methan:
CH₄ + 2 O₂ → CO₂ + 2 H₂O (ΔH < 0)
→ Exotherme Reaktion5Benenne: CH₃–CH(CH₃)–CH₂–CH₂–CH₃ nach Genfer Nomenklatur.
Längste Kette: 5 C → Pentan
Methylgruppe an C2 → 2-Methylpentan
Kontrolle: Nummerierung von links ergibt Lokant 2,
von rechts Lokant 4 → kleinste Zahl = 2 ✓Weiter im Kapitel Organische Chemie
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🔁 Grundlagen (Kl. 9): Atombindung · Lewis-Formeln
📚 Vertiefung Kursstufe: Cycloalkane · Aromaten -
5.2.6 Mehrwertige Alkohole
5.2.6 Mehrwertige Alkohole
Erlenmeyer-Regel: Die Erlenmeyer-Regel besagt, dass nicht mehr als eine Hydroxylgruppe an einem Kohlenstoffatom sitzen darf. Versucht man trotzdem zwei Hydroxylgruppen an ein Kohlenstoffatom zu binden, so spaltet sich Wasser ab und es bildet sich eine Carbonylverbindung. Aus Gründen der Erlenmeyer-Regel kann es z.B. kein 1,1-Di-Hydroxy-Methanol geben. Was passiert, wenn man es trotzdem versucht wird in einem späteren Kapitel erklärt.
Der einfachste mehrwertige Alkohol ist Ethandiol ("Glykol").
Aufgaben:
-
Zeichne Ethandiol als Strukturformel.
-
Sortiere Ethan, Ethanol, Ethandiol nach steigender Siedetemperatur und begründe Deine Wahl.
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1.
2. Siedetemperatur:
Ethan (Sdt.: - 88,5 °C): nur London-Kräfte
Ethanol (Sdt.: + 78,4 °C): DDW und H-Brücken
Ethandiol (Sdt.: +197,4 °C): DDW und noch mehr Möglichkeiten für H-Brücken
Info: Glykol (Ethandiol) ist eine dickflüssige (H-Brücken), giftige und süß schmeckende Flüssigkeit. Sie wird als Frostschutzmittel z.B. im Kühler von PKWs eingesetzt, weil eine Mischung von Ethandiol und Wasser die Erstarrungstemperatur herabsetzt: Grund: Störung der Kristallbildung durch Ausbildung von starken H-Brücken zwischen Ethandiol-Molekülen und Wasser.
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3. Zeichne Propantriol.
4. Beurteile die Löslichkeit von Propantriol in Wasser und n-Heptan (bzw. Benzin)
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3.
4. Propantriol ist stark hydrophil dank drei Hydroxy-Gruppen. Dadurch polar und kann H-Brücken ausbilden. Es löst sich sehr gut in Wasser und ist in n-Heptan (bzw. Benzin) unlöslich. Ich danke J.K. für das Auffinden des Fehlers.
Info: Propantriol ist ungiftig. Auch diese Flüssigkeit schmeckt süß und ist sehr viskos (noch mehr Hydroxy-Gruppen). Auch Glycerin ist ein Frostschutzmittel (selbst in Insekten) und wird auf Grund hygroskopischer Wirkung auch in Cremes, Zahnpasten und Tabak (Shisha-Tabak) zum Feuchthalten benutzt. In Fetten und Ölen ist es mit Fettsäuren verknüpft (siehe später).
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5. Zeichne Hexanhexol
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Info: Die ZMKs sind bei Hexanhexol (= "Sorbit") so groß, dass dieser Stoff schon bei Zimmertemperatur fest ist. Er kommt in der Natur in Früchten vor (Pflaumen, Eberesche,...). Hexanhexol wird als Zuckeraustauschstoff benutzt.
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